Einem traumatisierten Gewalt-Opfer wird die christliche Tür vor der Nase zugeschlagen. Wer wundert sich darüber? Religionen haben doch die Wahrheit gepachtet. Und die Wahrheit ist nun mal, dass Gott am besten weiß, wem und wie geholfen wird, und wem nicht.
Und was Gott will, das sagt Ihnen der “Ethikrat” der katholischen Klinik. Dieser hat mit seiner neuen “Leitlinie” den gesunden Menschenverstand der Ärzte dermaßen verunsichert, dass sie handlungsunfähig wurden. Kein Wunder, denn schließlich arbeiten dort ja auch keine vorurteilsfrei denkenden Ethiker, sondern Theologen. Demnach sollte er sich auch ehrlicherweise “Religionsrat” nennen.
Zusätzlich unterschreibt in einem religiösen Krankenhaus von der Ärztin bis zum Raumpfleger ausnahmslos jeder mit seinem Arbeitsvertrag auch die übliche Missionsklausel: “Ich erkläre mich mit der Ausrichtung und den Zielen des konfessionellen Trägers einverstanden.” Von einem Arzt wird sogar erwartet, dass er tatkräftig an der christlichen Ausrichtung mitwirkt. Ja leben wir denn wieder in einem Gottesstaat?
Theologen gehören ausschließlich in ihre Kirchen und nicht in Krankenhäuser. Auch nicht in Schulen und Kindergärten. Wir müssen dringend den Begriff der Trägerschaft überdenken: Es kann nicht sein, dass freie Träger staatliche Aufträge (Gesundheitsversorgung und Bildung) nach ihrem eigenem Selbstverständnis durchführen, obwohl sie von der Allgemeinheit finanziert werden.
Wenn katholische Krankenhäuser keine verfassungsgemäße medizinische Versorgung anbieten können, weil das gegen ihre Glaubensgrundsätze verstößt, können sie keine Träger eines allgemeinen Krankenhauses sein. Das gleiche gilt für die Konfessionsschulen, in denen Juden, Muslime, und Atheisten gezwungen werden, am Religionsunterricht teilzunehmen, obwohl diese zu 100% aus allgemeinen Steuermitteln finanziert werden.
Die Politik muss dringend die Kurve kriegen und damit aufhören ihre sozialen Aufgaben an den Klerus abzugeben:
70 Prozent der Krankenhäuser in NRW werden von kirchlichen Trägern betrieben, 50 Prozent katholisch und 20 Prozent evangelisch. Das Geld für Investitionen kommt vom Land, die Betriebskosten werden von den Krankenkassen, gesetzlichen wie privaten, erstattet.
Im Bildungsbereich das Gleiche: In NRW gibt es immer noch Konfessionsschulen. Wenn man seinen Kindern einen kurzen und sicheren Schulweg verschaffen will, hat man oft keine Wahl. Wenn man schnelle medizinische Hilfe benötigt, auch nicht.
Das Subsidiaritätsprinzip (das freien Trägern Vorfahrt gewährt, ein Geschenk Adenauers an seine geliebte katholische Kirche) öffnet den ideologischen Inhalten von Weltanschauungs-Vereinen Tür und Tor.
Vielleicht übernehmen demnächst die Zeugen Jehowas die Straßenreinigung? Und kehren nur noch vor den Türen der Rechtgläubigen, weil es ihrer Überzeugung entspricht?
Das Grundgesetz wird unzumutbar zerfleddert. Denn Religion und die Grundrechte der Demokratie standen schon immer, und stehen bis heute auf Kriegsfuß: ob Beschneidung, Missbrauch, Kinder-, Frauen- oder Tierrechte. Die Fakten sprechen für sich: in der Religion haben die Menschenrechte keine Chance.
Hier fordert der inzwischen auf ein Drittel der Bevölkerung angewachsene Teil konfessionsfreier Menschen in NRW endlich politisch wahrgenommen zu werden!
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